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Überlebensanleitung von The Chieftain: Stabilisierungssysteme

Stabilisierungssysteme für Geschütze kamen in der Phase zwischen den Kriegen zum ersten Mal auf Kriegsschiffen zum Einsatz. Allgemein nutzen sie das Prinzip der „Steifigkeit im Raum“ und die Tatsache, dass sich drehende Objekte dazu neigen, Bewegung zu widerstehen.

Mit der durch die Bewegung des Schiffs verursachten Auf- und Abbewegung der Gyroskophalterung konnte das System den durch das Gyroskop entstandenen Druck erfassen, wenn dieses der Bewegung widerstand. Darauf wurde das Signal an die Antriebe für Neigung und Drehung weitergeben, um die Geschütze stabil und auf das Ziel ausgerichtet zu halten. Es gibt zwei Gründe, warum dies erst bei Kriegsschiffen und danach bei Panzern angewandt wurde. Erstens gibt es auf einem Schiff weitaus mehr Platz für Mechanismen. Zweitens ist die Bewegung eines Kriegsschiffs auf dem Meer erheblich langsamer als die in einem Panzer, der sich über das Feld bewegt.

Schließlich wurden die Systeme jedoch dermaßen verkleinert, dass sie in Panzern eingebaut werden konnten. Frühe Stabilisierungssysteme wurden in amerikanischen M3-Panzern eingebaut, sowohl für die 37-mm-Geschütze der leichten Panzer als auch für die 75-mm-Geschütze der mittleren Panzer. Schließlich wurden sie bei den nachfolgenden Panzern zum Standard, obwohl der M26 und der M103 dabei Ausnahmen bildeten. Diese frühen Stabilisierungssysteme waren natürlich beschränkt. Sie wirkten sich nur auf die Neigung aus und konnten, um ehrlich zu sein, normalerweise nicht mit den Bewegungen des Panzers selbst mithalten. Sie neigten jedoch wenigstens dazu, das Ziel im Sichtfeld des Richtschützen zu halten und ermöglichten damit einen schnelleren Beschuss des Ziels.

Der Centurion war der erste Produktionspanzer mit Zwei-Achsen-Stabilisierung, sowohl für vertikale als auch horizontale Bewegung. Es reichte jedoch weiterhin nicht aus, um dem Panzer das Schießen während der Fahrt zu ermöglichen. Es war aber wenigstens gut genug bei leicht hügeliger Umgebung gegen nahe Ziele.

Eine Änderung des Konzepts der Geschützstabilisierung kam mit der Idee, die Optik und das Geschütz nicht miteinander verbinden zu müssen. In heutigen Panzern ist die Optik voll stabilisiert, während das Geschütz lediglich versucht, Schritt zu halten. Es ist für die Motoren viel einfacher, einen 5x6-Zoll-Spiegel in einem Periskop zu stabilisieren, als ein zwei Tonnen schweres Geschütz. In einem ordnungsgemäß funktionierenden modernen Panzer steuert der Richtschütze die Optik, nicht das Geschütz. Wenn der Richtschütze das Hauptgeschütz abfeuert, schließt er tatsächlich einen Teil des Feuerkreislaufs. Zwischen dem Betätigen des Abzugs und der tatsächlichen Detonation des Treibmittels kann es zu einer leichten Verzögerung kommen, bei der das Feuerleitsystem darauf wartet, dass das Geschütz die Optik einholt. Wenn die Optik und das Geschütz synchron ausgerichtet sind, wird der Feuerkreislauf geschlossen und die Granate abgefeuert. Im Falle einer Fehlfunktion des Stabilisierungssystems geht der Richtschütze darauf zurück, das Geschütz zu kontrollieren, während die Optik versucht, Schritt zu halten. Deshalb wird bei einem Abrams-Panzer der Unterschied zwischen „Normalmodus“ und „Notfall-Modus“ wie folgt beschrieben: „Im Normalmodus richtet sich das Geschütz nach der Optik. Im Notfall-Modus richtet sich die Optik nach dem Geschütz.“

Das ist natürlich noch längst nicht alles. Es gibt immer noch die weitere Einschränkung der Fahrtbewegung des Panzers. Obwohl die Optik und das Geschütz selbst auf schlechtestem Terrain einigermaßen stabilisiert sind, besteht noch immer das Problem, dass der Sitz des Richtschützen nicht stabilisiert wird. So wie der Panzer durch die Unebenheiten durchgeschüttelt wird, geschieht es auch mit dem Richtschützen. Wenn der Richtschütze seine Bedienhebel festhält, gelangen zahlreiche unfreiwillige Eingaben in das Feuerleitsystem – selbst, wenn er sein Auge auf die Optik gerichtet halten kann. Es wurden Maßnahmen versucht, um diesen Effekt zu minimalisieren.

Offensichtlich ist ein weicheres Federungssystem ein guter erster Schritt, doch der neueste britische Panzer, der Challenger 2, hat einen fest montierten Kontrollhebel des Richtschützen, und das Geschütz wird mit einem Daumenschalter bewegt, ähnlich dem Rundblickschalter eines Joysticks. Auf diese Weise kann der Richtschütze sich an etwas festhalten, während er herumgewirbelt wird, und dabei das Geschütz genauer auf das Ziel gerichtet lassen. Wenn auch moderne Panzer bei einer Geschwindigkeit von 30 Meilen pro Stunde im Vergleich zu stationärem Feuer auf Straßen und Pfaden des Testgebiets angeblich stimmen, so sind solche Angaben mit Vorsicht zu genießen, wenn es um solche Geschwindigkeiten in rauem Gelände geht.

Die neuesten Versionen von Gyroskopen sind in Wirklichkeit gar keine Gyroskope, denn sie haben keine beweglichen Teile. Laserring-Gyroskope arbeiten mit einem Laserstrahl, der von einer Reihe von Spiegeln zurückgeworfen wird. Mit der Bewegung der Halterung wird das projizierte Licht in verschiedenen Winkeln reflektiert, was von dem System registriert und als Bewegung interpretiert wird.

Vertikale Stabilisatoren, die in World of Tanks in einige Fahrzeugen eingebaut werden können, kann man am besten als Äquivalente zu den Stabilisierungen in amerikanischen Fahrzeugen des Zweiten Weltkriegs ansehen. Ihr werdet von den Ergebnissen enttäuscht sein, wenn ihr versucht, während der Fahrt bei höchster Schieflage auf eine beliebige Distanz zu feuern. Die Dauer bis zur vollständigen Ausrichtung des Zielkreises wird jedoch verkürzt und ermöglicht euch daher, zuerst einen gezielten Schuss abzugeben – im Vergleich zu einem Gegner, der nicht derartig ausgestattet ist.